Zwischen Hechten, Lichtstrahlen und einem verschwundenen VW Käfer
Ein Herbsttauchgang im Kollersdorfer Schotterteich
Manchmal beginnt ein Tauchgang schon mit einer Geschichte, bevor man überhaupt den Kopf unter Wasser gesteckt hat.

Nach einigen Jahren Abstinenz vom Kollersdorfer Schotterteich war es gestern endlich wieder einmal so weit. Gemeinsam mit meinem Buddy Jens ging es zurück in einen Teich, den wir beide schon kannten – von dem wir aber offenbar noch längst nicht alle Geschichten gehört hatten.
Gegen 9 Uhr trafen wir am Schotterteich ein. Das Wasser lag ruhig vor uns, die Oktobersonne kämpfte sich langsam durch den morgendlichen Dunst und eigentlich waren wir gerade erst dabei, unser Equipment vorzubereiten, als uns ein Fischer neugierig ansprach.
„Was habt ihr da unten eigentlich schon alles gesehen?“
Eine Frage, die bei zwei Tauchern natürlich sofort Aufmerksamkeit erzeugt.
Und dann folgte die Legende.
Irgendwo im Schotterteich soll angeblich ein VW Käfer liegen. Versenkt von der Feuerwehr. Wo genau? Das blieb offen. Aber damit nicht genug.
Auch von kapitalen Welsen mit bis zu zweieinhalb Metern Länge wurde erzählt.
Zweieinhalb Meter.
Nun gut.
Plötzlich hatte unser gemütlicher Herbsttauchgang eine Mission.
Auf der Suche nach dem Käfer
Also Kameras fertig machen, Lampen kontrollieren, Flossen an – und abtauchen.
Schon nach den ersten Metern war klar, dass der Teich an diesem Vormittag etwas anderes für uns vorbereitet hatte als einen alten Volkswagen.
Das Licht war schlichtweg fantastisch.
Die tief stehende Herbstsonne drang durch die Wasseroberfläche und zeichnete lange Lichtbahnen in das grünliche Wasser. Zwischen den hoch aufragenden Wasserpflanzen entstanden regelrechte kleine Unterwasserwälder. Mal verschwand Jens als dunkle Silhouette zwischen ihnen, dann traf ihn wieder einer der Sonnenstrahlen.
Für einen Unterwasserfotografen sind das genau jene Momente, in denen man kurz vergisst, dass man eigentlich nach einem Motiv sucht.

Das Licht selbst wird zum Motiv.
Die Sicht war nicht perfekt. Aber gerade das machte die Stimmung aus. Das diffuse Grün, die Pflanzen und die von oben einfallenden Sonnenstrahlen verliehen dem Schotterteich beinahe etwas Mystisches.
Und irgendwo dort draußen musste schließlich auch noch dieser Käfer liegen …
Die Models des Tages
Den VW fanden wir nicht.
Dafür dauerte es nicht lange, bis sich die ersten Bewohner des Teiches blicken ließen.
Hechte.
Und erfreulicherweise Exemplare, die offenbar keinerlei Berührungsängste mit Unterwasserfotografen hatten.
Während man bei manchen Fischen froh sein darf, überhaupt noch die Schwanzflosse aufs Bild zu bekommen, schienen diese Hechte ihre Rolle zu kennen. Ruhig standen sie zwischen den Pflanzen und ließen uns erstaunlich nahe herankommen.
Einer davon machte seine Sache besonders gut.
Während Jens mit seinem großen Kamerasystem langsam näher kam, blieb der Hecht seelenruhig stehen. Kamera, Blitzarme, Lampen, Taucher – offenbar alles vollkommen uninteressant.
Oder vielleicht war es auch umgekehrt.
Vielleicht betrachtete er uns.
Ein paar Sekunden lang standen sich Fotograf und Fisch gegenüber.
Wer hier eigentlich wen beobachtete, war nicht mehr ganz klar.

Und dann kam der Wels …
Die Geschichte vom zweieinhalb Meter langen Wels hatten wir natürlich noch im Hinterkopf.
Und tatsächlich begegneten wir einem.
Nur …
… die Sache mit den 2,5 Metern müssen wir nach diesem Tauchgang noch einmal diskutieren. 😉
Unser Exemplar brachte es eher auf rund 1,5 Meter.
Also gewissermaßen der kleine Bruder des legendären Kollersdorfer Monsters.
Aber auch 1,5 Meter Wels sind unter Wasser eine beeindruckende Erscheinung.
Fast lautlos schob sich der Fisch über den Grund. Der massive Kopf, die kleinen Augen und natürlich die langen Barteln verleihen einem Wels ohnehin ein beinahe urzeitliches Aussehen. Wenn so ein Tier dann aus dem grünlichen Wasser auftaucht und langsam auf die Kamera zukommt, bekommt die Geschichte vom riesigen Wels plötzlich doch wieder ein wenig Glaubwürdigkeit.

Vielleicht schwimmt der große Bruder ja tatsächlich irgendwo dort draußen.
Wir haben ihn jedenfalls nicht getroffen.
Diesmal.
Der eigentliche Schatz lag im Licht
Am Ende blieb auch der sagenumwobene VW Käfer verschwunden.
Kein Kotflügel.
Keine Stoßstange.
Nicht einmal ein Rad.
Aber irgendwie war das vollkommen egal.
Denn der Kollersdorfer Schotterteich hatte uns an diesem Vormittag etwas viel Besseres geliefert: neugierige Hechte, einen stattlichen Wels, dichte Unterwasserpflanzen und vor allem eine Lichtstimmung, wie man sie in unseren heimischen Gewässern nicht jeden Tag erlebt.
Genau solche Tauchgänge erinnern mich daran, warum ich heimische Seen und Teiche fotografisch so spannend finde.
Man weiß nie genau, was einen erwartet.
Vielleicht wartet hinter der nächsten Pflanze ein Hecht.
Vielleicht taucht plötzlich ein Wels aus dem Grün auf.
Vielleicht fällt genau im richtigen Moment ein Sonnenstrahl durch die Wasseroberfläche und verwandelt einen unscheinbaren Schotterteich für ein paar Sekunden in eine vollkommen andere Welt.
Und vielleicht …
… finden wir beim nächsten Mal ja doch noch diesen verdammten Käfer. 😄
Der Kollersdorfer Schotterteich hat jedenfalls noch ein paar Geheimnisse offen.
Und das ist vermutlich der beste Grund, wiederzukommen.
Unterwegs: Walter & Jens
Location: Kollersdorfer Schotterteich
Datum: 3. Oktober 2026
Motive: Hecht, Wels, Unterwasserlandschaft – und ein unsichtbarer VW Käfer 😉




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