Flusstauchen in der Ybbs – Wenn Sonnenlicht zu Kunst wird
- Walter Rekirsch
- 12. Juli
- 3 Min. Lesezeit
90 Minuten. Kristallklares Wasser. Magische Lichtstrahlen. Und einer dieser Tauchgänge, die man nie wieder vergisst.
Es gibt Tage, an denen einfach alles zusammenpasst. Gestern war genau so ein Tag.
Gemeinsam mit meinem Tauchbuddy Jens Hartmann machten wir uns auf den Weg nach Waidhofen an der Ybbs, genauer gesagt zum bekannten Einstieg am Senkersteg. Dieser Tauchplatz gilt unter Kennern als einer der schönsten Flusstauchplätze Österreichs – vorausgesetzt, es hat einige Tage nicht geregnet. Dann verwandelt sich die Ybbs in ein glasklares Naturparadies mit Sichtweiten, die man in einem Fluss kaum erwarten würde. Typische Tiefen liegen bei etwa 5 bis 8 Metern, dafür entschädigt die spektakuläre Unterwasserlandschaft mit riesigen Felsblöcken, versunkenen Baumstämmen, mächtigen Wurzeln und einem historischen Brückenpfeiler mit Torbogen. (Jens Hartmann)

Ankunft am Senkersteg
Gegen 09:30 Uhr erreichten wir den Einstieg.
Schon beim Ausladen der Ausrüstung war klar: Heute könnte etwas Besonderes werden.
Die Sonne stand bereits hoch genug, der Himmel war nahezu wolkenlos und die Wasseroberfläche verriet schon von außen diese unglaubliche Klarheit, auf die man als Unterwasserfotograf immer hofft.
Um 10:30 Uhr glitten wir schließlich ins Wasser.
Bereits nach den ersten Metern wussten wir:
Heute fotografiert nicht die Kamera – heute malt das Licht.
Eine Bühne aus Licht
Die Ybbs präsentierte sich von ihrer allerbesten Seite.
Zwischen den überhängenden Bäumen brachen unzählige Sonnenstrahlen durch die Wasseroberfläche und erzeugten gewaltige Lichtkegel, die wie Scheinwerfer in eine Kathedrale aus Fels und Holz fielen.

Jeder Atemzug erzeugte silberne Blasen, die langsam durch diese Lichtstrahlen nach oben stiegen.
Jede Bewegung wirkte beinahe schwerelos.
Man hatte nicht das Gefühl, in einem Fluss zu tauchen.
Es fühlte sich eher an wie das Schweben durch einen verwunschenen Unterwasserwald.
FineArt statt Dokumentation
Unser Ziel war nicht einfach, Erinnerungsfotos mit nach Hause zu bringen.
Wir wollten Bilder erschaffen.
FineArt.
Fotografien, die Atmosphäre transportieren.
Bilder, bei denen der Betrachter für einen Moment vergisst, dass sie unter Wasser entstanden sind.

Die mächtigen Baumwurzeln wirkten wie uralte Drachen.
Das Sonnenlicht verwandelte einfache Äste in abstrakte Kunstwerke.
Jeder einzelne Lichtstrahl eröffnete eine neue Bildidee.
Genau solche Bedingungen erlebt man vielleicht ein- oder zweimal im Jahr.
Mehr als 90 Minuten pures Glück
Trotz der kühlen Temperaturen vergingen die über 90 Minuten Tauchzeit wie im Flug.
Immer wieder entdeckten wir neue Perspektiven.
Mal standen riesige Felsblöcke im Vordergrund.
Dann wieder tauchten wir zwischen den alten Baumstämmen hindurch.
Ein paar Meter weiter öffnete sich plötzlich wieder ein Lichtfenster, das alles in ein fast übernatürliches Grün tauchte.
Keiner von uns wollte eigentlich auftauchen.
Denn mit jedem Meter wartete bereits das nächste Motiv.
Teamwork unter Wasser
Unterwasserfotografie lebt vom perfekten Zusammenspiel.
Während einer fotografiert, übernimmt der Buddy oft unbewusst die Rolle des Modells.
Mal reicht ein Lichtkegel.
Mal braucht es den Taucher genau an der richtigen Stelle.
Mal genügt eine einzige Blase, um einem Bild Leben einzuhauchen.
Mit Jens funktioniert dieses Zusammenspiel mittlerweile nahezu wortlos.
Gerade deshalb entstehen Bilder, die weit mehr erzählen als nur einen Tauchgang.
Wer seine Arbeiten noch nicht kennt, sollte unbedingt einen Blick auf seine beeindruckenden Aufnahmen werfen:www.jens-hartmann.at
Die Magie der Ybbs
Viele denken bei spektakulären Unterwasseraufnahmen sofort an tropische Korallenriffe.
Dabei liegen einige der faszinierendsten Motive direkt vor unserer Haustür.
Die Ybbs beweist eindrucksvoll, dass Süßwasserfotografie eine ganz eigene Magie besitzt.
Keine bunten Korallen.
Keine exotischen Fische.
Dafür Licht.
Strukturen.
Ruhe.
Und eine Atmosphäre, die man kaum in Worte fassen kann.
Fazit
Es gibt Tauchgänge, an die erinnert man sich wegen eines besonderen Tieres.
Andere wegen außergewöhnlicher Sicht.
Und dann gibt es diese ganz seltenen Tage, an denen einfach alles perfekt zusammenpasst.
Gestern war genau so ein Tag.
Perfekte Bedingungen.
Perfektes Licht.
Ein großartiger Buddy.
Und am Ende Speicherkarten voller Bilder, auf deren Bearbeitung ich mich schon jetzt freue.
Die Ybbs hat uns wieder einmal gezeigt, dass wahre Schönheit nicht immer am anderen Ende der Welt liegt.
Manchmal wartet sie direkt vor unserer Haustüre – verborgen unter einer glasklaren Wasseroberfläche.
📷 Kamera: Sony A6600 im Isotta-Gehäuse🔍
Objektiv: Tokina 10–17 mm Fisheye💡
Beleuchtung: INON Z240 Blitze
Tauchplatz: Senkersteg, Waidhofen an der Ybbs🤿 Tauchzeit: über 90 Minuten🌊 Bedingungen: glasklares Wasser, traumhafte Sicht und spektakuläre Sonnenstrahlen – genau jene Bedingungen, für die die Ybbs unter Flusstauchern bekannt ist.
















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