Unter Eis – Weissensee Ostufer
- Walter Rekirsch
- 1. März
- 2 Min. Lesezeit

Wenn die Welt leiser wird
Donnerstagabend, 26. Februar: Die Straßen werden dunkler, die Berge treten näher, der Himmel klarer. Gemeinsam mit Jens unterwegs Richtung Kärnten, zum Ostufer des Weissensee.
Man spürt es schon bei der Anreise: Das wird mehr als ein Tauchgang.
In der Pension Wassermann werden wir empfangen mit Wärme, ehrlicher Herzlichkeit und einer Küche, die genau das liefert, was Körper und Seele vor einem Eistauch-Tag brauchen. Draußen sinkt die Temperatur. Drinnen steigt die Vorfreude.
Die Nacht ist ruhig.
Klar.
Still.
Und am Morgen wartet Kaiserwetter.
Weiß. Blau. Unendlich.
Der 27. Februar beginnt mit einem Himmel, der so blau ist, dass er fast unwirklich wirkt. Die Eisfläche glitzert wie eine Landschaft aus Kristall. Kein Wind. Kein Geräusch. Nur Licht.
Organisiert von Diving Weissensee, begleitet von Mimi und Basti – souverän, ruhig, präsent.
Keine Hektik.
Keine Show.
Nur Konzentration und Vertrauen.
Und dann steht man da.Vor diesem geschnittenen Dreieck im Eis.Ein Fenster in eine andere Welt.

Der Schritt ins Kalte
Der erste Kontakt mit dem Wasser ist kein Schock. Er ist ein Übergang.
Die Atmung wird bewusst. Jede Bewegung langsamer. Jeder Gedanke klarer.
Unter der Eisdecke verändert sich alles.
Die Welt wird gedämpft.Geräusche verlieren ihre Schärfe.Zeit verliert ihre Geschwindigkeit. Man schwebt in einem Raum aus Smaragd und Türkis. Über einem eine massive, weiße Decke – durchzogen von Rissen, eingeschlossenen Luftblasen, feinen Linien wie gefrorene Geschichten.
Das Licht fällt durch das Eisloch wie durch ein Portal. Strahlen schneiden ins Wasser. Partikel tanzen darin wie Staub in einer Kathedrale.
Es ist still.
Nicht leer.
Sondern erfüllt.
Fotografieren im Zwischenraum
Mit dem Isotta Gehäuse, der Sony A6600 und dem Tokina 10-17mm Fisheye wird diese Welt greifbar – und gleichzeitig noch surrealer.
Das Fisheye überzeichnet nicht – es verstärkt. Es macht aus Linien Spannung.Aus Nähe Intensität.Aus Licht Dramatik. Die rote Leine wird zur Lebenslinie – visuell und real.Taucher werden zu Silhouetten.Die Eisdecke wird zur Bühne.
Und irgendwo zwischen Technik, Atemgeräusch und schwebender Bewegung entsteht dieser eine Moment:Der Moment, in dem man nicht mehr fotografiert –sondern erlebt.
Mehrere Abstiege. Ein Gefühl.
Es waren mehrere Tauchgänge.Mehrere Male dieses Hinübergleiten in die Stille.
Und doch fühlte es sich nicht wie Wiederholung an.Sondern wie Vertiefung.
Mit jedem Abtauchen wird man ruhiger.
Mit jedem Auftauchen dankbarer.
Mit jedem Blick nach oben bewusster, wie besonders dieser Ort ist.
Über uns die winterliche Bergkulisse.
Unter uns ein stiller See.
Dazwischen – wir.

Episch? Ja. Aber anders.
Eistauchen ist nicht laut. Nicht spektakulär im klassischen Sinn. Es ist episch, weil es reduziert ist. Weil es den Lärm der Welt abschaltet. Weil es dich zwingt, präsent zu sein.
Der Weissensee hat uns an diesem Tag nicht überwältigt.
Er hat uns aufgenommen. Und vielleicht ist das die größere Form von Größe.
Danke an Jens für diese gemeinsame Erfahrung.
Danke an Mimi und Basti für Sicherheit, Struktur und Ruhe.
Und danke an diesen See, der unter einer geschlossenen Eisdecke mehr Weite bietet als viele offene Ozeane.
Das war kein Tauchgang.Das war ein Eintauchen in Stille.














































Danke Walter, das war wieder einmal ein ganz tolles Erlebnis am Weißensee. Das müssen wir nächstes Jahr wiederholen!