Ein neuer Abschnitt unter Wasser
- Walter Rekirsch
- vor 2 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Vom Subal-Gehäuse zur Isotta – und von Canon zur Sony A6600
Manchmal ist ein Systemwechsel mehr als nur der Austausch von Kamera und Gehäuse. Er ist ein Innehalten, ein bewusstes Neuausrichten – technisch wie fotografisch. Genau an diesem Punkt stehe ich heute. Nach vielen Jahren mit meiner Canon 5D Mark II im Subal-Gehäuse habe ich mich 2026 für einen neuen Weg entschieden: Sony A6600 im Isotta-Gehäuse.

Dieses Projekt dokumentiert nicht nur neue Hardware. Es erzählt von Erfahrung, von bewährten Arbeitsweisen – und von der Frage, wie moderne Technik meine Bildsprache unter Wasser weiterentwickeln kann.
Von analog zu digital: Meine Basis
Meine Reise in der Unterwasserfotografie begann lange vor hochauflösenden Displays und ausgefeilten Autofokussystemen. In der analogen Zeit arbeitete ich mit der Canon 50e im Subal Miniflex-Gehäuse – reduziert, mechanisch, zuverlässig. Jede Aufnahme musste sitzen.
2011 folgte der Schritt in die digitale Welt: Canon 5D Mark II im Subal-Gehäuse. Für mich war das damals ein Quantensprung – mehr Kontrolle, mehr Reserven in der Nachbearbeitung, aber weiterhin das vertraute Gefühl eines robusten, präzisen Unterwasser-Systems.
Über viele Jahre blieb mein Setup bewusst konstant:
Sigma 15 mm Fisheye für Weitwinkel
6"-Subal-Domeport
Sigma 105 mm Makro
Dieses System begleitete mich durch unzählige Tauchgänge. Ich kannte seine Stärken, seine Grenzen – und ich wusste genau, wie es sich unter Wasser verhält.
Das Makro-Upgrade: Wenn Technik die Bildgestaltung erweitert
2012 entschied ich mich für ein gezieltes Upgrade: der Wechsel auf das neue Sigma 105 mm Makro.
Der Grund war nicht Marketing, sondern Praxis. Der deutlich schnellere Autofokus eröffnete mir neue Möglichkeiten, insbesondere im Makrobereich. Plötzlich war es einfacher, mit offenen Blenden präzise zu fokussieren, feine Details herauszuarbeiten und trotzdem sicher zu arbeiten – ein echter Vorteil in der Unterwasserfotografie, wo jede Bewegung, jede Strömung zählt.
Dieses Setup wurde zu meiner verlässlichen Basis: Weitwinkel für dramatische Szenen, Makro für die leisen, intimen Momente unter der Oberfläche.
Mein Weg über Wasser: Von DSLR zu spiegellos
Während mein Unterwasser-Setup lange unverändert blieb, begann sich oberhalb der Wasseroberfläche bereits früher ein Wandel abzuzeichnen.
2017 stieg ich in der Fotografie an Land von der DSLR auf spiegellose Systeme (DSLM) um – zunächst noch von Canon zu Canon.
Doch schon 2018 folgte der entscheidende Schritt: der Wechsel zur Sony A7 III. Damals wie heute ist sie für meine Art der Fotografie – insbesondere Landschafts- und Nachtfotografie – eine echte State-of-the-Art-Kamera:
hohe Dynamik,
exzellente Low-Light-Performance und
maximale kreative Kontrolle.
2019 ergänzte ich mein System um eine Sony A6300, die mich fortan auf Wanderungen und Trekkingtouren begleitete. Klein, leicht und leistungsfähig – sie wurde mein zuverlässiger Begleiter in den Bergen, bei Langzeitbelichtungen und unter dem Sternenhimmel (www.nachfotografie.at).
Rückblickend war dieser Schritt entscheidend: Der Wechsel zu spiegellosen Systemen über Wasser legte den Grundstein für meine spätere Entscheidung, diesen Weg auch unter Wasser konsequent weiterzugehen.
Warum überhaupt ein Systemwechsel unter Wasser?
Warum also etwas ändern, das über Jahre zuverlässig funktioniert hat?
Die Antwort liegt in genau dieser Erfahrung an Land. Je länger ich mit Sony arbeitete, desto klarer wurde mir: Diese Kameras passen nicht nur in den Rucksack – sie passen zu meiner Art zu sehen und zu gestalten.
Seit über einem Jahr nutze ich die Sony A6600 intensiv in der Landschaftsfotografie beim Wandern und Trekking. Klein, leicht, kompakt – und dennoch technisch auf einem Niveau, das kreative Freiheit erlaubt. Irgendwann wurde mir klar:
Dieses System hat auch unter Wasser enormes Potenzial.
Der entscheidende Unterschied: Belichtungs-Simulation unter Wasser
Was mich schließlich überzeugte, war ein Feature, das im Alltag oft unterschätzt wird: die Belichtungs-Simulation (Exposure Preview).
Im Vergleich zur Canon 5D Mark II sehe ich bei der Sony bereits vor der Aufnahme, wie sich Zeit, Blende und ISO auf das Bild auswirken. Unter Wasser, wo Umgebungslicht, Blitzleistung und Reflektionen ständig variieren, ist das ein enormer Vorteil. Ich kann meine Bildgestaltung direkt bei der Aufnahme verfeinern, statt mich ausschließlich auf Erfahrung und spätere Korrekturen zu verlassen.
Warum Isotta? – Meine Anforderungen an ein Unterwassergehäuse
Mit der Entscheidung für die Sony A6600 stellte sich für mich eine zentrale Frage: Welches Gehäuse erfüllt meine Ansprüche an professionelle Unterwasserfotografie?
Für mich war von Anfang an klar:
Ich wollte unbedingt ein Aluminiumgehäuse, robust, präzise gefertigt und langlebig – so, wie ich es von Subal über viele Jahre gewohnt war.
Ebenso wichtig war mir, dass alle Funktionen der Kamera nach außen geführt werden, ohne Kompromisse in der Bedienung. Direkter Zugriff auf wesentliche Parameter ist unter Wasser kein Luxus, sondern Voraussetzung für kontrolliertes Arbeiten.
Subal selbst bot zu diesem Zeitpunkt leider kein Gehäuse für die Sony A6600 an. Auf der Suche nach einer Alternative wurde ich auf Isotta aufmerksam – und schnell war klar, dass dieses System genau das bietet, was ich gesucht habe: ein hochwertiges Aluminiumgehäuse, durchdachte Ergonomie und vollständige Funktionalität der Kamera unter Wasser.
Ein weiterer entscheidender Punkt war für mich die Kompatibilität mit bestehendem Equipment:I sotta bietet Adapterringe für Subal-Ports an. Damit bleibt nicht nur meine bisherige Investition erhalten – es eröffnet mir auch neue kreative Möglichkeiten. So kann ich künftig meinen kleinen Subal-Domeport für Close-Focus-Wide-Angle-Aufnahmen weiterverwenden. Gerade dieser Port ist für spezielle Perspektiven und sehr nahe Motive unter Wasser ein zentrales Werkzeug meiner Bildsprache.
Der Wechsel zu Isotta ist für mich daher kein Bruch, sondern eine kluge Weiterführung eines bewährten Systems in moderner Form.
Der Schritt zu Isotta: Präzision in neuer Form
Mein neues aktuelles Setup:
Tokina 10–17 mm Fisheye für Ultraweitwinkel, adaptiert über den Sigma MC-11 Adapter
Sigma 105 mm Makro (Canon EF) weiterhin im Einsatz – ebenfalls über M11 Adapter
ISOTTA 8"-Domeport für maximale Bildqualität im Weitwinkel
H72 Makroport mit Verlängerungsringen für den Makrobereich
Subsee +10 M67 Linse für Super Makro
Technisch ist dieses System eine Brücke zwischen bewährter Optik und moderner Kameratechnologie.
Ergonomie im Wasser: Wenn Kompaktheit Grenzen zeigt
So sehr mich das neue Setup begeistert, so ehrlich möchte ich auch über seine Grenzen sprechen.
Mein früheres Subal-Gehäuse war mit einem 45°-optischen Winkelsucher ausgestattet – ideal für bodennahe Perspektiven, Makroaufnahmen und präzises Arbeiten.
Beim Isotta-Gehäuse zeigt sich jedoch eine konstruktionsbedingte Einschränkung: Durch die kompakte Bauweise der Sony A6600 und die Position des Suchers ist die direkte Einsicht auf den Kameramonitor nur sehr eingeschränkt möglich.

Der Blick von oben auf das Display – etwa bei bodennahen Motiven – ist praktisch kaum umsetzbar.
Ein klassischer 45°-Sucher wäre zwar eine Lösung, liegt jedoch bei rund 1.500 Euro (das leider der alte Subal Sucher nicht - zu klein - in das Isotta Gehäuse passt) – für mein Setup keine sinnvolle Investition.
Die Lösung: Externes Unterwasser-Display
Stattdessen habe ich mich bewusst für einen neuen Ansatz entschieden: ➡ den Einsatz eines externen Unterwasser-Displays – dem Weefine 5 Pro.
Es ermöglicht:
präzise Kontrolle von Schärfe und Belichtung,
sichere Beurteilung der Bildkomposition in Echtzeit,
komfortables Arbeiten bei bodennahen Perspektiven und ungewöhnlichen Kamerawinkeln.

Eine ergonomische Schwäche wird damit nicht nur kompensiert, sondern in vielen Situationen sogar zum Vorteil.
Bewährte Optik, neue Möglichkeiten
Ein zentraler Punkt meines Wechsels war es, bewährte Objektive weiter zu nutzen. Das Sigma 105 mm Makro bleibt ein Eckpfeiler meiner Bildsprache – jetzt adaptiert, aber in seiner Charakteristik unverändert.
Mit dem Tokina 10–17 mm Fisheye erschließt sich mir im APS-C-Format ein neuer Ultraweitwinkel-Bereich, ideal für Riffe, Wracks und dynamische Szenen.
Fazit: Weiterentwicklung statt Bruch
Dieser Systemwechsel ist kein Abschied von der Vergangenheit, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Ich verbinde meine Erfahrung aus vielen Jahren mit Subal und Canon mit moderner spiegelloser Technologie, kompakter Bauweise und neuen kreativen Werkzeugen.
warum ich den Wechsel zu Sony A6600 und Isotta vollzogen habe,
wie sich Ergonomie, Sucher, Ports, Adapter und Displays in der Praxis bewähren,
und welche neuen fotografischen Möglichkeiten sich dadurch unter Wasser eröffnen.
Technik ist für mich kein Selbstzweck. Sie ist dann wertvoll, wenn sie meine Art zu sehen unterstützt – und mir erlaubt, noch bewusster, präziser und kreativer unter Wasser zu arbeiten.
Dies ist mein neuer Abschnitt. Unter der Oberfläche.
Danke an PanOcean & Verweise auf eingesetzte Komponenten
Ein besonderes Dankeschön geht an Roland und Claudia von PanOceanPhoto, die mich bei der Auswahl und Zusammenstellung des gesamten Isotta-Systems herausragend beraten und in meinem Entscheidungsprozess unterstützt haben.
Ohne ihre fachkundige Hilfe wäre dieser Wechsel nicht so rund und durchdacht umgesetzt worden – vielen Dank! 🙏
Für alle, die sich selbst einen Überblick über die eingesetzten Komponenten verschaffen möchten, hier die relevanten Links zu den Produkten bei PanOcean:
🔗 Isotta Sony A6600 Unterwassergehäuse (mit B102-Bayonett) 🔗 Isotta Ports & Erweiterungsringe (inkl. B102-System)
Dieser 5-Zoll-Monitor von Weefine ist ein aluminiumgefertigter Unterwassermonitor, der über HDMI angeschlossen wird und klar sichtbare Bildkontrolle unter Wasser ermöglicht – ideal für präzise Beurteilung von Schärfe, Belichtung und Bildgestaltung während des Tauchgangs.
Was kommt als Nächstes?
Der erste Tauchgang mit diesem SetUp steht nocht aus, der wird dann zeigen ob ich noch Auftriebskörper benötige, bzw ob ich am SetUp noch etwaqs ändern muss.
In Kürze veröffentliche ich ein Video und einen weiteren Blog-Artikel, der die ersten Tauchgänge mit dem neuen System zusammenfasst.
Darin findest du Praxis-Testberichte zu den eingesetzten Produkten – inklusive Bewertung von Handling, Ergonomie und Bildqualität unter realen Bedingungen.Bleib dran! 🌊📷


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